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Nah dran am Kern des Menschen

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Nah dran am Kern des Menschen
© Pfarrei St. Peter Montabaur

Nah dran am Kern des Menschen

Interview mit Thomas Müller, Kliniksselsorger im Krankenhaus Montabaur

Wie offen ist das Krankenhaus derzeit in Hinblick auf die Corona-Regeln?

Wenn jemand kommt, der krank ist, wird er immer getestet. In einem Notfall wird er natürlich sofort behandelt und nicht gewartet, bis das Ergebnis da ist. Wir haben relativ strenge Zugangsbeschränkungen für das Haus, vor allem deswegen, weil wir hier sehr viele vulnerable Menschen haben. Menschen, die ohnehin schon angegriffen sind in ihrer Gesundheit, und die deshalb anfälliger sind für zusätzliche Dinge.

Generell gilt im Moment; pro Patient und Tag kann ein Besucher unter der 3G-Regel hier ins Haus kommen. Dass jemand gar keinen Besuch bekommen kann, gilt nur in Ausnahmefällen, wenn der Patient zum Beispiel isoliert ist. (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde im Oktober 2021 geführt.)

Der Patient ist im Blick, aber auch die Angehörigen. Gerade als Seelsorger übernehmen dabei eine Brückenfunktion?

Ja, das könnte ich, es kommt aber relativ selten vor. Wir haben von Anfang an, gerade auch in den Zeiten, als gar kein Besuch möglich war, eine Telefonnummer für Angehörige geschaltet, an die sie sich wenden können, um in Kontakt zu kommen. Das ist allerdings relativ selten in Anspruch genommen worden. Die meisten Patienten können ja ohnehin via Telefon Kontakt nach draußen halten, aber es gibt Menschen, die mit dem Zugang nicht zurechtkommen, wenn es zum Beispiel ältere oder demente Patienten sind. Es gibt dann die Möglichkeit, die 1225885 anzurufen. Dann landen Sie bei mir. Und ich kann dann auch vermitteln.

Das Krankenhaus ist in christlicher Trägerschaft. Sie sind aber für alle da?

Ja klar. Als Seelsorger im Krankenhaus geht es darum, für die Menschen dazusein als ein Resonanzkörper, als jemand, der ein offenes Herz  hat für die Not des Anderen. Das ist völlig egal, welche Religion oder Konfession, ob jung oder alt. Viele Gespräche haben mit der Krankheit selbst gar nichts zu tun. Nicht selten geht es um Themen, die mit dem persönlichen Leben zu tun haben. Manch einer hat sogar hier die Gelegenheit, nach vielen Jahren Ferne mal wieder jemanden aus dem kirchlichen Bereich zu sprechen. Weil er eben da ist und sich eine zufällige Begegnung ergibt. Darüber ist auch manch einer ganz froh.

Der Kontakt zur Gemeinde ist ja bei vielen sehr punktuell und nicht regelmäßig. Wie stellen Sie sich eine Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinen vor Ort vor?

Es gibt schon eine sehr gute Zusammenarbeit, was die Rufbereitschaft angeht. Wenn jemand von den Priestern aus der Pfarrei gebraucht wird, spendet er hier die Krankensalbung. Aber wir sind als Krankenhaus daran interessiert, auch ein Teil der Gemeinde zu sein durch den Kontakt zu den Gemeindeseelsorger*innen, durch eine gewisse Präsenz der Gemeinde im Haus oder auch durch Beteiligung vom Krankenhaus aus z.B. beim Caritas-Ausschuss.

Sie begleiten die Menschen persönlich mit Gespräch und Gebet, es gibt aber hier auch einen Ort zum Beten?

Wir haben hier keine Kapelle. Die eigene Krankenhauskirche ist durch einen Trägerwechsel nicht mehr mit dem Krankenhaus verbunden. Die Kirche war eigentlich für den alten Standort des Krankenhauses, für das jetzige Polizeigebäude, gedacht. Langfristig gibt es den Plan, eine Kapelle hier für das Haus zu bauen. Das braucht aber noch Jahre. Derzeit haben wir nur einen kleinen Raum der Stille. Er wird hin und wieder von Leuten besucht. Das sehe ich an den Eintragungen im dort ausliegenden Anliegenbuch.

Was ist für Sie der wichtigste Antrieb als Seelsorger?

Für mich ist der wichtigste Antrieb, bei den Menschen zu sein. Es gibt so unterschiedliche Gespräche hier, so unterschiedliche Menschen. Es gibt keine zwei Gespräche, die genau gleich sind. Hier ist das ganze Spektrum dessen, was Menschsein ausmacht. Ohne Ansehen der Person: ob arm oder reich, hellhäutig oder dunkelhäutig, oder was auch immer. Bei uns leben und sterben die Menschen, kommen an den innersten Kern. Im Falle einer schweren Krankheit gibt es das alles, was man sich drumherum aufbaut, was auch Kosmetik ist, ohne das zu bewerten, das gibt es da einfach nicht mehr. Und diese Begegnung ist zutiefst wertvoll hier. Bei den Menschen wird auch glaube ich Seelsorge gebraucht als eine Ergänzung zu dem eigentlichen Behandlungsprozess.

Gibt es für Sie ein Hoffnungsbild, das Sie gerne weitergeben?

Es ist vielleicht kein Bild. Wir tragen uns biblisch sehr durch den Vers: „Ich war krank, und ihr seid zu mir gekommen.“ Das ist sozusagen der Kern der Identifikation für die ganze Krankenhausseelsorge. Das spricht einfach Bände. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen.

Wenn es um Krankheit geht, dann braucht man keine Hochglanzpapiere mehr, sondern dann ist man wirklich ganz nah dran am Kern des Menschen. (Thomas Müller)

 

 

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