Montabaur
August: Friedhof Montabaur
Die Wolken drohten ein wenig, aber auch wenn die Folgen des stürmischen Vorabends nicht nur auf dem Boden allenthalben zu sehen waren, konnte Frau Wieland die 30 Interessierten ohne Regen, Wind oder Hitze über die verschiedenen Ecken des Friedhofes führen. Am Vorabend hatte sie noch bis tief in den Donnerstagmorgen als Stellvertretung im Landratsamt die Einsätze in den vom Tornado betroffenen Westerwaldorten geleitet.
Dass ein städtischer Friedhof sich allein aus den Grabgebühren finanziere, sei der Wunsch und Auftrag des Gesetzgebers. Allerdings habe der Friedhof in Montabaur ja noch weit mehr Funktionen als die letzte Ruhe für unsere Angehörigen zu gewähren. Das könne mit Grabgebühren allein nicht sozial verträglich aufgefangen werden. Er sei wichtiger Treffpunkt für Trauernde und erinnere, dass selbstverständlich der Tod zum Leben gehört. Auch höre man nirgends in und rund um Montabaur eine derartige Vielfalt an Vogelstimmen. Natur- und Kulturpflege, auch auf dem Friedhof, sei eine wichtige Aufgabe jeder Gemeinde.
Das jährliche Gedenken für die Gefallenen und die anderen, oft viel zu jung Verstorbenen im Ehrenfeld erfülle eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Das sei immer wieder besonders intensiv zu erleben, wenn Schülerinnen und Schüler das jährliche Totengedenken mit passender Musik und exemplarischen Einzelschicksalen präsentierten.
Frau Wieland wies darauf hin, dass neben den Gefallenen der Kriege nun - in der leider wegen Renovierung geschlossenen - Kapelle auch ein Ort zum Gedenken für die Opfer aus dem Widerstand und der Willkür der Nationalsozialistischen Gewalt geschaffen sei.
Eine Studentengruppe der Hochschule aus Geisenheim hatte in einem innovativen Projekt den Friedhof untersucht und neue Ideen zur Gestaltung vorgeschlagen. Das hatte dazu geführt, dass die alten Tafeln der Ehrengräber rundum am Außenrand und nahe der neuen Trauerhalle positioniert wurden. Auch ein schattenspendender Rosenhain ist von diesem Projekt übriggeblieben. Die Möglichkeit eines Kaffeetreffs mit entsprechenden Automaten wurde aus Sorge vor Vandalismus nicht umgesetzt.
Der Friedhof passt sich den Neuerungen in der gesellschaftlichen Verarbeitung von Tod und Bestattung an. Mittlerweile gibt es neben Erd- und der klassischen Urnenbestattung in Urnenwand und Urnengrab auch ein anonymes Feld, leicht zu pflegende, aber mit Namen bezeichnete Wiesengräber und - Frau Wielands Lieblingsplatz im unteren Areal - einen kleinen Friedwald, in dem die Bestattung rund um einen Baum möglich ist.
Auf Friedhofsplan.de der VG Montabaur kann man mittlerweile bei jedem Friedhof die letztjährigen Grabbelegungen oder auch Lebensläufe zu einigen Bestatteten einsehen. Und an grünmarkierten Grabflächen erkennen, wo z.B. noch ein Grab zu kaufen ist, zu dem auch die in die Jahre gekommenen Angehörigen gut zu Fuß hinkommen können.
Im Anschluss an die interessante Führung wurde in der Trauerhalle unter Leitung von Pfarrer Frank Peter Beuler eine kleine Andacht gehalten. Unter dem bunten Glasfenster wurde an die je eigenen lieben Verstorbenen gedacht und zusammen gesungen und gebetet.
Danach traf man sich noch zu Laugengebäck, Getränken und einem anregenden Gespräch im Forum Sankt Peter.
Am 3. September um 19.30 lädt die Reihe "12 Orte" in den Berg Moriah nach Simmern. (Einfahrt gegenüber dem Simmerner Friedhof. "Berg Moriah" ist online zu finden.)
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