Montabaur
Juli: Café b-05
Am Montag, dem 20. Juli, jährte sich das gescheiterte Attentat von Claus Schenk von Stauffenberg auf Hitler. Heute wird dieser Tag als allgemeiner Gedenktag für den Widerstand gegen die Nationalsozialistische Diktatur begangen.
In unserer diesjährigen Reihe – 12 besondere Orte in unserer Pfarrei St. Peter, Montabaur, - trafen wir uns daher am Montagabend am ehemaligen Munitionsdepot im Montabaurer Stadtwald. Die Munition von Bundeswehr und US-Streitkräften lagert nicht mehr da. Diverse Kunstausstellungen werden – gerade auch zum Thema der Zwischenkriegsjahre im 20. Jahrhundert stattdessen im „b 05“ zu sehen sein. Es ist ein wunderbarer Ort für Kunst, Kultur und Natur geworden. Mit guter Bewirtung im Cafe am Wochenende – oder auch eben bei besonderen Veranstaltungen.
Der Abend galt den uns heute möglichen „Patronen für den Frieden“.
Wenn so viele Zeichen auf Rüstung, Remilitarisierung stehen und wir die chaotischen, unmenschlichen und unwürdigen Kriegshandlungen in dieser Welt stehen, ist es gut zwischen all den düsteren Aussichten nach positiven Aspekten unseres Lebens und entsprechenden Handlungsmöglichkeiten zu suchen.
Georg Thurmair, von der Gestapo unter verschärfter Beobachtung, dichtete 1936 im Kirchenlied „Mein Gott, wie schön ist deine Welt!“ von den drohenden Gewittern, die über uns hinein brechen und beantwortete sie im eigenen Leben mit subversiven Texten unter Pseudonym – und im Lied selbst mit unerschütterlichen Gottvertrauen.
Marina Weisband, jüdisch-ukrainisch-deutsche Politikerin, hilft es in ihrer schweren, chronischen Erkrankung, sich auf die Dinge zu reduzieren, die absolut wichtig sind ODER ihr persönlich gut tun – alles andere brauche keine Beachtung.
Die palästinensischen Frauen hofften und sangen in ihren Texten für den Weltgebetstag vom Frieden und einem möglichen Miteinander – und wir hoffen und singen mit ihnen, dass sie noch leben und singen können …
Jesus selbst musste durch eine syrophönizische Frau lernen, seine eigenen Vorurteile zu korrigieren. „Gegen“ Fremde ist „Kennenlernen“ sowieso das beste Mittel. Schließlich würde uns sonst vielleicht auch der dunkle Teint des aramäisch predigenden Jesus am eigenen Bahnhof eher negativ aufstoßen …
Die letzte von 10 Patronen gegen den Krieg lieferte Wolf Biermanns „Du, lass dich nicht verhärten!“
Über 50 Personen haben an einem schönen Ort einen ermutigenden Abend miteinander verbracht.
Auch darüber lohnt es zu reden – während andere Stauffenberg missbrauchen, Brücken und Energiesysteme bombardieren oder ein Volk zwischen Ratten und Trümmern zerreiben wollen.
Text: Pastoralreferentin Martina Kissel-Staude